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Revolution 1848

Steckbrief

geboren: 8. September 1830 in Berlin

gestorben: 19. März in Berlin

Beruf: Schlosserlehrling

Der Unerschrockene: Ernst Zinna

Ernst Zinna wurde nur 17 Jahre alt. Er starb an einer Schussverletzung. Soldaten hatten an einer Barrikade in Berlin auf ihn geschossen. Ernst war eines von vielen Opfern der Revolution. Aber ausgerechnet er wurde 100 Jahre nach seinem Tod zum Helden gemacht worden.

Zinna war der Sohn eines Seidenwebers. Sein Vater verdiente wenig Geld. Weber wurden kaum noch gebraucht, denn immer mehr Stoffe wurden von Maschinen gewebt. Die Familie Zinna lebte in Armut. Ernst sollte es in Zukunft aber besser haben: Er machte eine Lehre zum Schlosser. Das war ein sicherer Beruf.

Ernst wohnte in der Jägerstraße 4 in Berlin. Als am 18. März 1848 Kämpfe in der Stadt ausbrachen, wurde nur zwei Straßenecken weiter, zwischen der Jäger- und der Friedrichstraße, eine Barrikade gebaut. Sie bestand aus einem umgekippten Wagen, einigen Tonnen und Brettern. Besonders stabil war sie nicht. Ernst war mit seinem Freund Heinrich Glasewald unterwegs. Heinrich war zwei Jahre älter als Ernst und auch Schlosserlehrling. Beide hatten sich bewaffnet: Heinrich hatte ein altes Gewehr dabei, Ernst einen rostigen Säbel. Es war offensichtlich, dass die Barrikade in der Jägerstraße einem Angriff nicht Stand halten würde. Als sich eine Gruppe Soldaten näherte, flüchteten die meisten Menschen. Ernst und Heinrich blieben alleine zurück, um ihre Stellung zu verteidigen. Als die Soldaten in Sichtweite waren, schoss Heinrich mit seinem Gewehr auf sie. Die Soldaten erwiderten das Feuer. Heinrich wurde am Arm getroffen und ging zu Boden. Da sprang Ernst von der Barrikade. Er erwischte einen Offizier mit seinem Säbel, hob ein paar Pflastersteine auf und warf sie auf die Soldaten. Die schossen und trafen Ernst in den Unterleib. Er starb am nächsten Tag. Sein Freund Heinrich überlebte.

Ernst wurde am 22. März auf dem Friedhof der Märzgefallenen beigesetzt. Viele Menschen waren fasziniert von seiner Geschichte. Richtig bekannt wurde er aber erst später: Zum 100-jährigen Jubiläum der Revolution weihte die FDJ, die Jugendorganisation der DDR, eine Gedenktafel für Ernst an seinem Wohnhaus in der Jägerstraße ein. Später wurden eine Straße und Schulen nach ihm benannt und Bücher über ihn geschrieben. Die Geschichte vom Schlosserlehrling Ernst Zinna wurde zur Legende. Sie sollte die Jugend der DDR zu einem heldenhaften Kampf für die Sache der Arbeiter inspirieren. Dabei wissen wir nur wenig über Ernst. Wieso blieben er und Heinrich an der Barrikade? Waren sie politisch motiviert oder bloß abenteuerlustig? Die beiden haben nichts hinterlassen, was diese Fragen beantworten könnte.